Willem ten Asbroek, CEO von BizBloqs · 1. August 2026
Lagerwirtschaft heißt, vier Dinge gleichzeitig im Griff zu haben: Bestand, Platz, Personal und Abläufe, von der Ankunft der Ware bis zu ihrer Abfahrt. Das Ziel ist auf jeder Station dasselbe: Was im System steht, liegt auch im Regal. Dieser Beitrag zeigt die acht Prozesse, die fünf Kennzahlen, die wirklich zählen, und woran Sie erkennen, dass eine Software sich lohnt.
Was ist Lagerwirtschaft? Eine kurze Definition
Lagerwirtschaft umfasst alle Schritte, mit denen Ware ins Lager kommt, dort richtig liegt und das Lager wieder richtig verlässt. Oft ist auch von Lagerlogistik die Rede. Gemeint ist dasselbe: die Steuerung von Bestand, Lagerplätzen, Mitarbeitern und Reihenfolge.
Schlechte Lagerwirtschaft fällt selten mit einem großen Knall auf. Sie zeigt sich in kleinen Fehlern, in Überstunden und in Abschreibungen. Die Software, die diese Arbeit anleitet und jeden Schritt festhält, ist ein Lagerverwaltungssystem.
Die Prozesse im Lager: acht Stationen vom Wareneingang bis zur Inventur
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1. Wareneingang
Im Wareneingang wird die gelieferte Ware mit der Bestellung oder dem Lieferavis verglichen. Menge, Charge und Zustand werden erfasst. Abweichungen klären Sie an der Rampe, nicht erst beim Monatsabschluss.
2. Einlagerung
Bei der Einlagerung wird festgelegt, wohin die Ware kommt. Statt dass jede Schicht selbst entscheidet, folgen feste Regeln: Umschlag, Größe, Temperatur, Charge und Gefahrstoffklasse.
3. Lagerung und Slotting
Die Lagerplätze werden so belegt, dass Schnelldreher nah am Versand liegen und Langsamdreher nicht die besten Plätze blockieren. Das nennt man Slotting. Gutes Slotting ist die günstigste Lagerkapazität, die Sie je bekommen. In BizBloqs gibt es dafür eine Slotting-Analyse (Lagerplatzoptimierung nach Umschlag) mit automatischen Slotting-Regeln; welche Artikel schnell drehen, zeigt eine ABC Analyse.
4. Nachschub
Die Greifplätze werden aus dem Reservelager rechtzeitig aufgefüllt. So stehen Kommissionierer nie vor einem leeren Fach.
5. Kommissionierung
Die Kommissionierung ist der personalintensivste Prozess im Lager. Hier stecken die meisten Kosten und das meiste Verbesserungspotenzial. BizBloqs unterstützt Wellenkommissionierung, Cluster-Kommissionierung (mehrere Aufträge in einem Rundgang auf einem Wagen) und Zonenkommissionierung. Welche Methode wann passt, lesen Sie im Beitrag über Kommissioniermethoden.
6. Verpacken und Versand
Karton auswählen, Versanddienstleister zuweisen (etwa DHL, DPD oder GLS), Etiketten und Papiere drucken und zum Schluss prüfen: Ist im Paket, was bestellt wurde? Mit der Waagenanbindung von BizBloqs wird das Gewicht beim Verpacken erfasst und geprüft.
7. Retouren
Zurückgeschickte Ware wird geprüft und eingestuft: wieder einlagern oder aussortieren. Ziel ist, verkaufsfähige Ware schnell wieder verfügbar zu machen, gerade wenn Kunden ihr Widerrufsrecht nutzen. Mehr dazu im Beitrag über Retourenmanagement.
8. Inventur
Statt einmal im Jahr das Lager zu schließen und nur zu erfahren, wie falsch man lag, wird laufend gezählt: nach Lagerplatz und nach Umschlag. Das nennt man zyklische Inventur.
Fünf Lager KPI, die zählen
Von allen Kennzahlen in der Logistik sagen fünf Lager KPI am meisten über ein Lager aus:
- Bestandsgenauigkeit: gezählter Bestand im Vergleich zum Systembestand, je Lagerplatz.
- Liefergenauigkeit: richtig gelieferte Positionen als Anteil aller gelieferten Positionen. Diese Zahl taucht in den Kundenreklamationen auf.
- Pünktlicher Versand: Aufträge, die vor der zugesagten Abholzeit das Lager verlassen.
- Pickzeilen pro Stunde: Ihr Maßstab für die Produktivität. Er reagiert am stärksten auf bessere Laufwege und Abläufe.
- Dock-to-Stock-Zeit: Wie lange steht Ware im Wareneingang, bis sie verkauft werden kann? Ist diese Zeit lang, entstehen leise Scheinfehlbestände: Die Ware ist da, aber nicht verfügbar.
Messen Sie wöchentlich, pro Schicht, und schauen Sie auf den Verlauf statt auf den Einzelwert. Ein Beispiel zur Lesart: Eine Bestandsgenauigkeit, die stabil bei 96 % liegt, ist ein Lager, das man steuern kann. Ein Wert, der zwischen 91 % und 99 % schwankt, zeigt ein Lager, das von einzelnen Personen abhängt.
Vier Reifegrade der Lagerwirtschaft
Die meisten Lager lassen sich einer von vier Stufen zuordnen.
Stufe 1: Papier und Gedächtnis. Picklisten auf Papier, Lagerplätze im Kopf der Mitarbeiter, Bestandsabgleich in einer Tabelle. Das nennt man manuelle Lagerverwaltung; mehr dazu im Beitrag zur Lagerverwaltung Excel. Es funktioniert, solange eine Person den ganzen Betrieb überblickt.
Stufe 2: Bestand im ERP. Die Mengen stehen im ERP, die Finanzzahlen stimmen. Aber das ERP weiß nicht, wo die Ware physisch liegt, und es leitet niemanden an. Tabelle und Whiteboard laufen nebenher weiter.
Stufe 3: Scangestützte Abläufe. Das Lagerverwaltungssystem gibt Einlagerung und Kommissionierung vor, jede Bewegung wird gescannt. Die Bestandsgenauigkeit wird stabil, und neue Kommissionierer sind schnell eingearbeitet, weil das Gerät ihnen sagt, was zu tun ist. Hier sollten die meisten KMU stehen.
Stufe 4: Vernetzte Abläufe. Das Lager ist mit dem Order Management System, der Verfügbarkeit in den Verkaufskanälen, den Versanddienstleistern und der EDI Anbindung verbunden. Bei großen Mengen kommen Fördertechnik und Lagerautomaten hinzu, gesteuert von einem Materialflussrechner; diese voll automatisierte Stufe nennt man im Deutschen meist WMS System. Entscheidungen werden geplant statt hinterher repariert.
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Lagerwirtschaft oder Bestandsmanagement?
Die beiden werden oft verwechselt, dabei ergänzen sie sich.
- Bestandsmanagement fragt: Wie viel besitzen wir, und was müssen wir nachkaufen?
- Lagerwirtschaft fragt: Wo liegt die Ware, wer bewegt sie gerade, und in welcher Reihenfolge?
Wer beides verwechselt, glaubt oft, das Lagermodul im ERP reiche aus. Ein sicheres Warnsignal: Ihr Team führt nebenher eine eigene Liste, wo die Ware „wirklich“ liegt. Das ERP bleibt die Quelle für Finanzen und Einkauf; über die ERP-Schnittstelle bekommt das Lager die Aufträge und meldet Bewegungen zurück.
Wann sich eine Software für das Lager lohnt
Jeder Lagerprozess bleibt derselbe, ob Sie mit Papier oder mit Scanner arbeiten. Wann sich eine Software lohnt, hängt selten nur von der Größe ab. Typische Auslöser sind:
- Es gibt mehr Artikel, als jemand im Kopf behalten kann.
- Die zweite Schicht kann das Wissen der ersten nicht übernehmen.
- Chargen oder Mindesthaltbarkeitsdaten müssen nachgewiesen werden; dafür brauchen Sie eine Chargenverwaltung.
- Die Retourenquote steigt.
- Die erste ernste Kundenreklamation kommt.
Das Geld für die Verbesserung geben Sie meist schon aus: für Aushilfen, Gutschriften und Abschreibungen. Ein Lagerverwaltungssystem leitet die Arbeit an jeder Station an. Es weist bei der Einlagerung den Platz zu, bringt die Kommissionierung in die richtige Reihenfolge und lässt jede Bewegung scannen, damit der Systembestand mit dem Regal übereinstimmt. Was das konkret bringt, lesen Sie unter Lagerverwaltungssystem Vorteile. Was es kostet, steht auf der Seite Lagerverwaltungssystem Kosten.
Zwei Fragen zu Ihrer eigenen Lagerwirtschaft
- Wie stark schwankt Ihre Bestandsgenauigkeit von Woche zu Woche und von Schicht zu Schicht?
- Gibt es in Ihrem Lager eine Liste oder eine Person, ohne die niemand weiß, wo die Ware wirklich liegt?
Was Sie die heutigen Abläufe kosten, können Sie mit dem ROI-Rechner anhand Ihrer eigenen Zahlen abschätzen.
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